Warum Runde 1 scheitern musste, wie ein funktionierendes Briefing aussieht — und die drei Angaben, die den Unterschied machen.
Warum «Schreib eine Offerte für einen Flyer» scheitern muss
Der Satz enthält genau eine Information: die Dokumentart. Alles andere muss der Assistent erfinden oder weglassen — und weil ein leeres Dokument nutzlos wäre, erfindet er. Die typische Fundliste aus Runde 1:
| Was fehlte | Was er daraus machte |
|---|---|
| Kundin | irgendeine, oder ein Platzhalter |
| Umfang | eine geratene Stundenzahl |
| Ansatz | ein plausibler Betrag — oder der falsche aus deinem Profil |
| Datum, Gültigkeit, Frist | Standardwerte, die zufällig stimmen können |
| Abgrenzung | Druckkosten, die gar nicht deine Leistung sind |
Der Assistent ist hier nicht schlecht. Er verhält sich wie jede Mitarbeiterin, der man einen Halbsatz zuruft: Sie liefert etwas Vollständiges, weil das ihr Job ist. Die Lücken waren deine.
Ein Briefing, das funktioniert
«Erstelle die Offerte O-2026-015 für die Physiotherapie Sonnenberg. Die Anfrage liegt bei der Musterfirma unter AnfrageSonnenberg — Kundin und Adresse übernimmst du von dort. Umfang: Gestaltung Flyer A5, 8 Stunden, zum Konzept-Ansatz aus dem Firmenprofil der Widmer Grafik; dazu Druckabwicklung pauschal 180 Franken. Die Druckkosten selbst gehören NICHT hinein — die Druckerei rechnet direkt mit der Kundin ab. Offertdatum heute, Gültigkeit und Zahlungsfrist wie im Profil.»
Sechs Zeilen. Sie enthalten kein einziges Rechenergebnis — und genau darum funktioniert es: Rechnen kann die Plattform, wissen kannst nur du.
Die drei Angaben, die den Unterschied machen
- Woher die Fakten kommen — «die Anfrage liegt unter …», «Ansatz aus dem Firmenprofil». Ein Verweis auf ein Dokument ist unendlich viel besser als eine Zahl im Chat: Er ist nachprüfbar, aktuell und macht Erfindung unnötig. Das ist die praktische Anwendung der 🟢 Übung.
- Was NICHT hineingehört — «die Druckkosten nicht». Ein Agent kennt deine Abgrenzungen nicht; er sieht eine Leistung im Umfeld des Auftrags und nimmt sie mit. Eine einzige Negativ-Angabe verhindert den häufigsten Abnahme-Fund.
- Welches Dokument genau — Nummer, Kundin, Art. Ohne diese Zuordnung kann er nicht einmal wissen, ob er ein neues Dokument anlegen oder ein bestehendes füllen soll.
Was dem Vorschlag in Runde 2 fehlte
Der Vorschlag im Composer hatte wofür und womit — aber kein wobei nicht. Der fehlende Satz: «Die Druckkosten selbst gehören NICHT hinein — die Druckerei rechnet direkt mit der Kundin ab.» Die Anfrage sagt es zwar ausdrücklich; ob der Assistent es dort liest und richtig anwendet, ist ohne diesen Satz Glückssache. Eine Abgrenzung, die du nicht hinschreibst, ist eine Abgrenzung, die du ihm überlässt.
«Fair», «üblich», «professionell»
Die zweite Rätselrunde hat drei Sätze gezeigt, die wie Vorgaben klingen und keine sind. Sie haben eines gemeinsam: Nach dem Lesen könnte niemand eine bestimmte Zahl hinschreiben. Ein Adjektiv ist kein Briefing. Ersetze es durch eine Quelle («Konzept-Ansatz aus dem Firmenprofil») oder durch den Wert selbst («pauschal 180 Franken»).
Woran du ein gutes Briefing erkennst, bevor du es abschickst
Lies es durch und frag: Müsste eine neue Mitarbeiterin hier irgendwo nachfragen? Jede Stelle, an der sie fragen müsste, ist eine Stelle, an der ein Agent stattdessen rät. Der Unterschied zur Mitarbeiterin ist genau der: Sie fragt. Er meistens nicht — und warum das so gefährlich ist, übst du in der 🔴 Übung.
Die Erwartung: Runde 2 sollte null bis eine Korrektur brauchen und eine Offerte mit Total CHF 1'405.30 liefern (8 × 140 + 180 = 1'300.00, MwSt 105.30). Zwei Korrekturen sind noch in Ordnung; mehr heisst, dass eine der drei Angaben oben noch fehlte — dann lohnt sich eine dritte Runde mehr als jede Korrektur von Hand.